27. August 2026 · 7 Min. Lesezeit
Geschichten erfinden statt nur konsumieren
Mit Bildern, Figuren und einfachen digitalen Werkzeugen werden Kinder selbst zu Erzaehlerinnen und Erzaehlern.

Ein Foto, eine Figur oder drei Gegenstaende reichen als Start. Jedes Kind darf einen Satz, ein Geraeusch oder eine Bewegung hinzufuegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eigene Geschichten verbinden Sprache, Fantasie, Perspektivübernahme und gemeinsames Planen.
- Kinder können mit Satz, Geräusch, Figur, Bild oder Bewegung erzählen – nicht nur mit vollständigen Sätzen.
- Digitale Werkzeuge sind dann sinnvoll, wenn sie Kinderstimmen festhalten und das Weitererzählen unterstützen.
Vom Impuls zur Handlung
Drei Gegenstände reichen: ein Schlüssel, ein Tuch und ein Tier. Die Fachperson eröffnet mit einer echten Lücke – «Der Schlüssel lag heute Morgen vor der Höhle …» – und wartet. Kinder dürfen die Geschichte verändern, widersprechen oder eine Rolle übernehmen. Ein vorher festgelegtes richtiges Ende würde genau diese Autorenschaft begrenzen.
Eine einfache Struktur hilft, wenn die Gruppe stockt: Wer ist da? Was möchte die Figur? Was steht im Weg? Was versucht sie? Wie geht es weiter? Die Fragen werden als Angebot genutzt, nicht nacheinander abgeprüft.
Viele Ausdruckswege zulassen
Ein Kind spricht die Erzählerstimme, ein anderes bewegt eine Figur, ein drittes erfindet Geräusche. Diese Beiträge sind gleichwertig. Fachpersonen können Äusserungen vorsichtig erweitern und Verbindungen herstellen: «Der Wind wird lauter – was macht die Figur jetzt?»
Bei mehrsprachigen Gruppen dürfen Wörter und Passagen in Familiensprachen auftauchen. Andere Kinder können Bedeutung aus Handlung, Bild und Übersetzung erschliessen. So wird Mehrsprachigkeit Teil der Geschichte und nicht zum Hindernis erklärt.
- Einen offenen Start anbieten
- Beiträge verbinden statt bewerten
- Geschichte gemeinsam überarbeiten und erneut erzählen
Aufnehmen mit klarem Zweck
Eine Audioaufnahme ermöglicht, Stimmen wiederzuhören, Reihenfolgen zu verändern oder Geräusche zu ergänzen. Vor der Aufnahme wird geklärt, wer zuhören darf und ob Namen genannt werden. Die Datei bleibt geschützt und wird gelöscht, wenn ihr pädagogischer Zweck erfüllt ist. Das Gerät bleibt Werkzeug; die Ideen entstehen im gemeinsamen Spiel.
Sprache
Drei Ideen für den Alltag
Erzählbeutel
Zufällige Gegenstände geben einen Start, ohne den Verlauf festzulegen.
So geht es
- 1.Drei verschiedene Gegenstände ertasten und herausnehmen.
- 2.Figur, Ort oder Problem gemeinsam zuordnen.
- 3.Jedes Kind ergänzt in seiner bevorzugten Ausdrucksform.
Fotogeschichte
Wenige inszenierte Bilder machen Reihenfolge und Perspektive bearbeitbar.
So geht es
- 1.Mit Figuren vier Szenen aufbauen.
- 2.Fotos in Reihenfolge legen und Lücken entdecken.
- 3.Bildunterschriften diktieren und eine alternative Reihenfolge testen.
Hörspiel
Stimmen, Geräusche und Pausen schaffen eine Geschichte ohne sichtbare Bilder.
So geht es
- 1.Eine kurze bekannte Geschichte auswählen.
- 2.Rollen und Geräusche mit Alltagsmaterial verteilen.
- 3.In kurzen Teilen aufnehmen, anhören und gemeinsam überarbeiten.
Quellen und Weiterlesen
Die fachlichen Grundlagen und weiterführenden Materialien zu diesem Beitrag.
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